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Medizinisch geprüft: Verfasst und überprüft von Dr. med. Thomas Weber (Facharzt für Urologie). Überprüft nach den NIH-Kriterien für Prostatitis.

Prostatitis (Prostataentzündung): Formen, Symptome & Diagnose

Die Prostatitis ist eine Entzündung oder Reizung der Vorsteherdrüse. Sie gehört zu den häufigsten urologischen Diagnosen bei Männern unter 50 Jahren. Etwa 10 bis 15 Prozent aller Männer erleiden mindestens einmal in ihrem Leben Symptome einer Prostatitis.

Klassifikation nach den NIH-Kriterien

Die National Institutes of Health (NIH) teilen die Prostatitis in vier Hauptkategorien ein:

Kategorie I: Akute bakterielle Prostatitis

Eine plötzliche, schwere bakterielle Infektion des Prostatagewebes (häufig durch Darmbakterien wie Escherichia coli). Typische Anzeichen sind hohes Fieber, Schüttelfrost, starke Schmerzen im Dammbereich sowie brennende Schmerzen beim Wasserlassen. Dies ist ein medizinischer Notfall, der sofortiger ärztlicher Behandlung bedarf.

Kategorie II: Chronische bakterielle Prostatitis

Wiederkehrende bakterielle Infektionen der Prostata. Die Symptome sind milder als bei der akuten Form, halten jedoch über Monate an. Typisch sind wiederholte Harnwegsinfekte und dumpfe Beckenschmerzen.

Kategorie III: Chronisches Beckenschmerzsyndrom (CPPS)

Die mit Abstand häufigste Form (ca. 90 % aller Fälle). Hierbei lassen sich trotz deutlicher Schmerzen im Becken- und Genitalbereich keine Bakterien im Urin oder Prostatasekret nachweisen. Man unterscheidet:

Kategorie IV: Asymptomatische entzündliche Prostatitis

Zufallsbefund ohne spürbare Symptome (z. B. im Rahmen von Gewebeproben oder Fertilitätsuntersuchungen).

Leitsymptome erkennen

Beschwerden bei einer Prostatitis können sehr unterschiedlich ausfallen. Zu den typischen Hauptsymptomen gehören:

Wann sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen?

Suchen Sie bei akutem Fieber, Schüttelfrost, Blut im Urin oder wenn Sie gar keinen Urin mehr lassen können (akuter Harnverhalt) unverzüglich eine Notaufnahme oder urologische Praxis auf.

Diagnostische Verfahren beim Urologen

Um die genaue Ursache abzuklären und eine zielgerichtete Therapie einzuleiten, führt der Urologe folgende Untersuchungen durch:

  1. Anamnese: Erfassung der Beschwerden anhand standardisierter Fragebögen (z. B. NIH-CPSI Index).
  2. Körperliche Untersuchung: Sanftes Abtasten der Prostata (DRU) zur Überprüfung von Druckschmerzhaftigkeit.
  3. Urin- & Sekretanalysen (4-Gläser-Probe / Meares-Stamey-Test): Erreger- und Entzündungsnachweis in Urin- und Prostataproben.
  4. Ultraschall (TRUS): Beurteilung von Gewebeveränderungen oder Abszessen.

Wissenschaftliche Quellennachweise:

  1. European Association of Urology (EAU): Guidelines on Chronic Pelvic Pain and Prostatitis, 2025.
  2. Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU): Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Prostatitis.
  3. Krieger JN et al.: NIH consensus definition and classification of prostatitis. JAMA 1999.
Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen ausschließlich der Orientierung. Nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden keine Eigenbehandlung vor. Haftungsausschluss lesen.