Prostatitis (Prostataentzündung): Formen, Symptome & Diagnose
Die Prostatitis ist eine Entzündung oder Reizung der Vorsteherdrüse. Sie gehört zu den häufigsten urologischen Diagnosen bei Männern unter 50 Jahren. Etwa 10 bis 15 Prozent aller Männer erleiden mindestens einmal in ihrem Leben Symptome einer Prostatitis.
Klassifikation nach den NIH-Kriterien
Die National Institutes of Health (NIH) teilen die Prostatitis in vier Hauptkategorien ein:
Kategorie I: Akute bakterielle Prostatitis
Eine plötzliche, schwere bakterielle Infektion des Prostatagewebes (häufig durch Darmbakterien wie Escherichia coli). Typische Anzeichen sind hohes Fieber, Schüttelfrost, starke Schmerzen im Dammbereich sowie brennende Schmerzen beim Wasserlassen. Dies ist ein medizinischer Notfall, der sofortiger ärztlicher Behandlung bedarf.
Kategorie II: Chronische bakterielle Prostatitis
Wiederkehrende bakterielle Infektionen der Prostata. Die Symptome sind milder als bei der akuten Form, halten jedoch über Monate an. Typisch sind wiederholte Harnwegsinfekte und dumpfe Beckenschmerzen.
Kategorie III: Chronisches Beckenschmerzsyndrom (CPPS)
Die mit Abstand häufigste Form (ca. 90 % aller Fälle). Hierbei lassen sich trotz deutlicher Schmerzen im Becken- und Genitalbereich keine Bakterien im Urin oder Prostatasekret nachweisen. Man unterscheidet:
- Kategorie IIIa (Entzündlich): Nachweis von Entzündungszellen (Leukozyten) im Sekret.
- Kategorie IIIb (Nicht-entzündlich): Keine Entzündungszeichen im Sekret auffindbar.
Kategorie IV: Asymptomatische entzündliche Prostatitis
Zufallsbefund ohne spürbare Symptome (z. B. im Rahmen von Gewebeproben oder Fertilitätsuntersuchungen).
Leitsymptome erkennen
Beschwerden bei einer Prostatitis können sehr unterschiedlich ausfallen. Zu den typischen Hauptsymptomen gehören:
- Dysurie: Schmerzen oder Brennen während des Wasserlassens.
- Pollakisurie: Sehr häufiger Harndrang mit jeweils nur geringen Urinmengen.
- Beckenschmerzen: Ziehende oder stechende Schmerzen im Dammbereich (zwischen Hoden und Anus), in den Hoden, der Leiste oder im unteren Rücken.
- Ejakulationsschmerz: Unangenehmes Gefühl oder Schmerzen während oder nach dem Samenerguss.
Wann sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen?
Suchen Sie bei akutem Fieber, Schüttelfrost, Blut im Urin oder wenn Sie gar keinen Urin mehr lassen können (akuter Harnverhalt) unverzüglich eine Notaufnahme oder urologische Praxis auf.
Diagnostische Verfahren beim Urologen
Um die genaue Ursache abzuklären und eine zielgerichtete Therapie einzuleiten, führt der Urologe folgende Untersuchungen durch:
- Anamnese: Erfassung der Beschwerden anhand standardisierter Fragebögen (z. B. NIH-CPSI Index).
- Körperliche Untersuchung: Sanftes Abtasten der Prostata (DRU) zur Überprüfung von Druckschmerzhaftigkeit.
- Urin- & Sekretanalysen (4-Gläser-Probe / Meares-Stamey-Test): Erreger- und Entzündungsnachweis in Urin- und Prostataproben.
- Ultraschall (TRUS): Beurteilung von Gewebeveränderungen oder Abszessen.
Wissenschaftliche Quellennachweise:
- European Association of Urology (EAU): Guidelines on Chronic Pelvic Pain and Prostatitis, 2025.
- Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU): Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Prostatitis.
- Krieger JN et al.: NIH consensus definition and classification of prostatitis. JAMA 1999.